AD(H)S und die heilsame Wirkung der Natur

Waldbaden bei ADHS

Als jemand, der selbst seit seiner frühsten Kindheit von ADHS betroffen ist, wusste ich schon früh die beruhigende und erdende Wirkung der Natur zu schätzen. So zog es mich instinktiv immer wieder in den Garten, auf Wiesen und in Wälder nach anstrengenden Schultagen. Dort konnte ich neue Kraft tanken und Stress des Alltags schnell hinter mir lassen.

Auch heute als Erwachsener, viele Jahre später, habe ich mir diese Form der Eigentherapie beibehalten, vor allem seit dem ich weiß, warum die Natur bei ADHS so gut helfen kann!

Natur entspannt nachhaltig

Entspannung in der Natur bei ADHS

Um zu verstehen, wie genau das Aufhalten in der Natur uns Betroffenen helfen kann, müssen wir uns zunächst anschauen, welche Effekte diese auf unseren Körper und Geist hat. Dafür habe ich spannende Studien aus Japan mitgebracht, dem Ursprungsland des Waldbadens (dort Shinrin Yoku genannt). Diese werde ich für Interessierte am Ende verlinken*.

Dort und in weiteren Studien konnte wiederholt gezeigt werden, dass Spaziergänge in der Natur gegenüber Spaziergängen in der Innenstadt eine signifikant stärkere beruhigende Wirkung auf unser Nervensystem haben (es kommt zu einer stärkeren Aktivierung des Parasympathikus). Versteht mich nicht falsch: Auch ein Spaziergang in der Stadt entspannt (nur eben nicht ganz so effektiv) und es ist immer besser vor die Tür zu gehen, in der Wohnung zu bleiben und weiter seinen Gedanken ausgesetzt zu sein! Denn Spaziergänge helfen im Allgemeinen dabei, aus dem Kopf herauszukommen und Stress sowie Ängste und depressive Verstimmungen zu regulieren.

Aber woran liegt es, dass wir uns so viel besser draußen in der Natur entspannen können, als in der Innenstadt? Ein paar Punkte liegen hier auf der Hand: In der Stadt geht es laut und hektisch zu. Aber es gibt einen noch entscheidenderen Unterschied, der wirklich spannend ist!

Denn in Wäldern wird die Luft durch sog. Phytonzide angereichert, das sind organische Stoffe wie bspw. ätherische Öle, die von Bäumen und Pflanzen in die Luft abgegeben werden. Diese nehmen wir über die Atmung auf, wodurch sie in unseren Körper ihre positiven, beruhigenden Eigenschaften entfalten und sogar unser Immunsystem stärken. Es konnte sogar gezeigt werden, dass die Stresslevel nicht nur am selben Tag, sondern noch mehrere Tage nach dem Aufenthalt in einem Wald signifikant niedriger als bei Vergleichspersonen blieb. Man kann sich also durch das Aufhalten in der Natur langfristig vor Stress schützen! Aber wozu soll das ganze eigentlich gut sein?

Stress und die gravierenden Folgen bei ADHS

Stressmanagement spielt bei AD(H)S eine sehr wichtige Rolle, da wir Betroffenen statistisch gesehen besonders häufig in psychisch belastende Situationen geraten wie dem Versagen in Beruf oder Studium, Überforderungsgefühle, Selbstvorwürfe, Streitereien und sogar Jobverlust und Scheidung.

Jetzt kommt der springende Punkt: Sind wir zu lange zu starkem Stress ausgesetzt, kann dies die Symptome bei AD(H)S weiter verstärken und macht uns anfällig für weitere psychische, aber auch körperliche Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Burnout oder Herz-Kreislauf-Probleme. Die Folge davon ist eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale: Die ADHS-Symptome werden schlimmer, weitere Krankheiten kommen dazu, wodurch die eigene Leistungsfähigkeit immer weiter eingeschränkt wird, was dann den Stress noch weiter verstärkt.

Ich habe dies selber am eigenen Leib erfahren dürfen: Im Zuge einer langen Stressphase waren bei mir nicht nur die ADHS-Symptome schlimmer geworden, sondern es sind auch Panikattacken ausgebrochen. Im Nachhinein weiß ich, dass ich dies durch ein besseres Stressmanagement und eine tägliche Auszeit zur gezielten Entspannung hätte vermeiden können.

Mentale Dekompression durch den Gang ins Grüne

Mittlerweile habe ich mein Stressmanagement gut im Griff und mir ging es noch nie besser. Sogar die Panikattacken sind wieder verschwunden! Einen wichtigen Beitrag hierzu hat die tägliche Auszeit in der Natur beigetragen, welche ich mir seit Ausbruch der Panikattacken selber verordnet habe. Eine feste tägliche Zeit zur Entspannung und mentalen Dekompression einzubauen ist entscheidend, um stressbedingten Problemen vorzubeugen. Ich persönlich kombiniere den Aufenthalt in der Natur gerne mit weiteren Aktivitäten, die meinen Stress erden wie Sport, Yoga, Meditation oder dem Treffen von Freunden oder Familie.

Aber was, wenn man in der Stadt wohnt? Kein Problem! Wie bereits angesprochen helfen Spaziergänge im Allgemeinen dabei (egal wo durchgeführt) Stress und Emotionen zu regulieren. Denn alleine das Verlassen der Wohnung kann enorm dabei helfen, aus dem Kopf herauszukommen und so einen wichtigen Beitrag zur mentalen Dekompression leisten.

Die erwähnte Studie übers Waldbaden*

https://www.mdpi.com/1660-4601/16/2/229

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ADHS-Mentor Henry Leonhard

Mein Name ist Henry

Mein Ziel ist es Betroffenen zu zeigen, wie man AD(H)S auch auf natürlichem Wege in den Griff bekommen kann. Ich habe als Betroffener von ADHS selber einen langen Leidensweg hinter mir, unter anderem dadurch, dass die klassische Behandlung mit Ritalin bei mir mit starken Nebenwirkungen einherging. Dies hat mich vor über 10 Jahren dazu motiviert, alternative Ansätze zur Linderung meiner Symptome auszuprobieren und das mit vollem Erfolg! Dieses Wissen fließt mit in meine Expertise ein und wird durch ein Psychologiestudium sowie Jahren an Eigenstudium spezifischer Fachliteratur abgerundet.